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AWO-Mitte Info, Nr. 49 / September - Dezember 2017 für unsere Mitglieder und Freunde 

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Grußworte von Manfred Nowak, Vorsitzender der AWO Kreisverband Berlin-Mitte e.V.

Liebe Freundinnen und Freunde,

als ich vor nunmehr fast sieben Jahren zum Vorsitzenden unseres AWO-Kreisverbandes gewählt wurde, haben mir meine Amtsvorgänger mit auf den Weg gegeben, darauf gefasst zu sein, dass diese Aufgabe sehr vielschichtig sei und zuweilen mit besonderen Überraschungen, Aufregungen und Ärger verbunden sein kann. Der Wahrheitsgehalt dieser Prognose ist mir gerade in den letzten Tagen und Wochen besonders bewusst geworden.

 

Manfred Nowak
Manfred Nowak, der Vorsitzende der AWO kreisverband Berlin-Mitte e.V.

In manchen Situationen habe ich mich an jenes Gedicht erinnert, das frei nach Wilhelm Busch mit den Zeilen beginnt: "Willst du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben." Nun muss niemand befürchten (oder hoffen!), dass mich Amtsmüdigkeit plagt und ich die Gelegenheit dieser Kolumne zur Ankündigung von Rücktrittsüberlegungen nutze. Vielmehr soll dies nur der Hinweis auf eine turbulente Phase in der Kreistätigkeit sein. Sie rankt sich um den Bereich der Flüchtlingsarbeit und hier insbesondere um den Problemkreis im Zusammenhang mit dem Marie-Schlei-Haus.

Gerade weil darüber in der Öffentlichkeit und in den Medien – zum Teil die Tatsachen missachtend – berichtet und diskutiert wird, liegt mir daran an dieser Stelle (mit Sachstand 18. März 2013) einige Fakten darzustellen.

Dazu muss zunächst in Erinnerung gerufen werden, dass seit der Inbetriebnahme des Marie-Schlei-Hauses als Seniorenpflegeeinrichtung Mitte der achtziger Jahre das Haus in Trägerschaft der AWO Ida-Wolff-Geriatriezentrum Neukölln gGmbH geführt wurde. Grundstück und Gebäude gehörten bis 2008 dem AWO-Landesverband. Auf Druck der Banken musste das Haus an das Berliner Petruswerk veräußert werden. Der neue Eigner hat neben dem Kaufpreis noch einmal (ohne öffentliche Mittel!) rund 2,5 Millionen Euro in die Modernisierung des Hauses investiert.

Trotz dieser Maßnahme konnte die seit langem zu verzeichnende Auslastung des Hauses von 60 – 70 % leider nicht verbessert werden. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die Vielzahl von Pflegeplätzen im Bezirk Reinickendorf. Die dramatischen Einnahmeverluste für den Eigentümer führten schließlich zu der betriebswirtschaftlich notwendigen und daher nachvollziehbaren Entscheidung, die Pflegeeinrichtung zu schließen.
Dass dies mit schmerzlichen Konsequenzen verbunden ist, kann nicht bestritten werden. Für die Bewohnerinnen und Bewohner mussten andere Pflegeplätze gesucht und gefunden werden. Die entsprechenden Umzüge sind inzwischen vollzogen. Auch für die Beschäftigten des Hauses bedeutet die Schließung eine spürbare Veränderung in ihrem Arbeitsleben. Den Kolleginnen und Kollegen konnten aber Arbeitsplätze im AWO-Bereich angeboten werden.

Wer die Ablaufschilderung bis hierher verfolgt hat, wird die berechtigte Frage aufwerfen, wann denn nun der AWO-Kreisverband Mitte in den gesamten Prozess einbezogen wurde? Die Antwort lautet: Nach der Entscheidung zur Schließung des Hauses! Konkreter gesagt: Nachdem das Petruswerk keinen geeigneten Käufer für die Einrichtung gefunden hat und sich unter Einbeziehung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) für eine Nutzungsänderung zu einer Flüchtlingsunterkunft entschlossen hat.

Weil wir bekanntlich über jahrzehntelange und anerkannte Erfahrungen als Träger von Flüchtlingseinrichtungen verfügen, die von uns betriebenen Häuser in der Motardstraße demnächst geschlossen werden, wir uns also seit langem auf der Suche nach Ersatz-Objekten befanden, war dann unsere zielorientierte Kontaktaufnahme mit dem Petruswerk geradezu zwingend.
Da uns auch das Bezirksamt Reinickendorf schriftlich bestätigte, dass das Marie-Schlei-Haus „aus übergeordneter Verantwortung grundsätzlich als Einrichtung für die Erstaufnahme von Asylbewerbern in Frage kommt", sind wir die vertraglichen Bindungen mit dem Petruswerk und dem LaGeSo eingegangen.

Mit dem Hinweis auf die übergeordnete Verantwortung wollte das Bezirksamt offenbar auf die gesamtstädtische Vereinbarung aufmerksam machen, wonach die Vielzahl der Flüchtlinge möglichst gleichmäßig auf die Bezirke verteilt werden soll. Dass Reinickendorf gegenüber anderen Bezirken unterrepräsentiert ist, weisen die einschlägigen statistischen Zahlen aus.

Nicht unerwähnt kann schließlich bleiben, dass wir von Anfang erklärt haben, das Marie-Schlei-Haus für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge nutzen zu wollen. Hierzu zählen u. a. Behinderte, Frauen und Traumatisierte.

Der zunächst relativ sachorientiert verlaufende Veränderungsprozess nahm eine Wendung und kam ins Stocken, als die Geschehnisse um das Marie-Schlei-Haus veröffentlicht wurden und die Nachbarschaft auf vielfältige Weise ihren Unmut artikulierte.

Von diesem Zeitpunkt an gab es eine bemerkenswerte Entwicklung, die ein Schlaglicht auf politische Zusammenhänge und Vorgehensweisen wirft. Ich kann darauf verständlicherweise in diesem Rahmen nicht näher eingehen und muss mich auch einer Kommentierung enthalten.

Die Chronistenpflicht gebietet es jedoch zumindest zu erwähnen, dass Teile des politischen Establishments in Reinickendorf die Dinge mit einem Mal eindimensional zu bewerten scheinen und daraus besondere Handlungsweisen abgeleitet werden. Eine mutmaßliche Folge ist die Tatsache, dass wir als künftiger Betreiber eine Flut von Auflagen zu erfüllen haben, die sehr viele Verzögerungen mit sich bringen.
Auch die uns vom LaGeSo für die Einrichtung vorgegebene Belegungszahl steht zur Disposition.

Um nicht missverstanden zu werden: Selbstverständlich nehmen auch wir die Ängste der Anwohner sehr ernst! Wir begegnen ihnen durch Maßnahmen der Transparenz. In diesem Sinne bieten wir an bzw. haben wir bereits durchgeführt: Informationsveranstaltungen, Besichtigungen in unserer vergleichbaren Einrichtung in der Rhinstraße, Tage der offenen Tür, ständige Gesprächsbereitschaft, Angebot zur Teilnahme an nachbarschaftlichen Informationsrunden.

Meine Hoffnung ist, dass die vielen, woraus auch immer resultierenden Aufgeregtheiten, möglichst bald einer die Gegebenheit akzeptierenden Betrachtungsweise weichen.
Ich wünsche mir ein vernünftiges Miteinander aller Beteiligten und bin trotz allem zuversichtlich, dass dies gelingen wird.

Herzlichst

Euer
Manfred Nowak

 

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